Pfarrkirche St. Servatius

 

Als die alte Gülser Pfarrkirche St. Servatius aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, nach dem DuMont Kunstreiseführer "Die Mosel" die "wichtigste mittelalterliche Dorfkirche an der Mosel", die Zahl der Gläubigen nicht mehr fassen konnte, entschloss sich die Pfarrgemeinde in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts zum Bau einer neuen Kirche. Den Planungsauftrag erhielt der königlich-preußische Bauinspektor Johann Claudius von Lassaulx aus Koblenz, der u.a. auch die Kirchen in Treis und Valwig an der Mosel erbaut hat. Er war auf dem Gebiet der Architektur Autodidakt, unter der französischen Verwaltung in der Zeit Napoleons Kreisbaumeister und in diesem Amt von den Preußen nach 1815 bestätigt.

 

Lassaulx sah die Entwicklung der romanischen Bauweise keineswegs als beendet an, sie sei vielmehr nur jahrhundertelang unterbrochen gewesen. Er entwickelte neue Ideen, und so entstand in den Jahren 1833-1840 in Güls ein Gotteshaus als Umgangskirche in neuromanischem Stil. Es handelt sich dabei um eine Hallenkirche, d.h. die Seitenschiffe weisen die gleiche Höhe auf wie das Hauptschiff. Damit entfällt die eigene Belichtung eines jeden Schiffes, wie das bei einem basilikalen Bau der Fall ist; das Licht dringt vielmehr durch die entsprechend großen Fenster der Seitenschiffe in die Kirche.

Neben der differenzierten Materialverwendung heimischer Gesteinsarten (Mauerwerk: Grauwacker; Gesims und Friese: Tuffstein; Gliederung der Architektur: Basalt; Vierpass in den runden Ziersteinen unter dem Fries: Ziegel) weist das Äußere der Kirche eine große Formenvielfalt auf. Sorgfältig gestaltete Gesimse, Lisenen, Rundbogenfenster, Medaillons, Röllchenwülste, kleine Schlüssellochfenster und Doppelpassabschlüsse.

 

Die Schauseite der Kirche ist die Ostfassade. Zwei schlanke, vorgezogene Türme, deren Spitzhelme (Spitzname: "Gülser Zahnstocher") und quadratischer Unterbau jeweils dieselbe Höhe aufweisen, rahmen eine Wand mit Stufenportal und Tympanon, Rundbögen, Rundfenster und aufsteigender Zwerggalerie ein. Die Türme sind gegliedert durch Rundbogenfriese mit Medaillons, Bögen und Fenster. Rundbogenfriese und Lisenen gliedern zudem die Seitenfassaden.

 

Man betritt die Kirche durch ein Stufenportal in der Ostfassade. Im Tympanon erkennen wir die Gottesmutter mit dem Kind, rechts von ihr tötet der heilige Servatius, Patron der Kirche, den Drachen, das Symbol des Heidentums und vielleicht auch das Sinnbild für die Irrlehre des Arianismus; links von der Gottesmutter reichen zwei Mönche ihr das Modell der Kirche dar. Über dem Portal überspannt ein Rundbogen mit einem kräftigen Röllchenwulst eine etwas eingetiefte Nische mit einem großen Rundfenster (Rosette), das im Innenraum der Krche der Empore Licht gibt. Etwa auf gleicher Höhe befindet sich im Untergeschoss der Türme je ein kleines, jeweils von einem Rundbogen überspanntes Rundfenster. Das Giebelfeld zeigt einen Stufengiebel mit aufsteigender Zwerggalerie, in deren mittleren Nischen wir Steinskulpturen erkennen können: In der Mitte Christus als König (Christus Rex), rechts und links die Heiligen Petrus und Paulus. Bekrönt wird der Giebel von einem Kreuz.

Durch das Portal, dessen originales hölzernes Rahmenwerk noch erhalten ist, betritt man die Kirche von Osten. (Dass die Kirche nicht, wie die meisten Kirchen, geostet ist, d. h. der Altarraum befindet sich im Westen, hängt mit der Lage des Grundstückes zusammen).

Vom Vorraum aus erreicht man linkerhand im Südturm über eine freischwebende Treppe die Orgelempore. Am Fußende der Treppe steht eine große Skulptur des Pfarrpatrons, des hl. Servatius, aus dem 18. Jahrhundert. Auf der rechten Seite im Nordturmgeschoss befindet sich die heutige Gnadenkapelle mit einer Pieta aus dem 16. Jahrhundert und einer modernen Herz-Jesu-Plastik. Das Mittelschiff, von einem Netzgewölbe überspannt, wird von 14 mächtigen Säulen getragen und geht ohne Bruch in die Seitenschiffe über. Vier von den Säulen schließen den halbrunden Chor ab, der bei der letzten Renovierung im Sinne des Baumeisters neugestaltet wurde. Der Altar steht als "Altarinsel" frei im Chorraum und ist durch Säulenstellung und teilweise Wiederverwendung des wertvollen Kommuniongitters zum Umgang hin abgegrenzt. Auf den kleinen Säulen des Umganges fanden die aus dem Inventar der Kirche noch erhaltenen 14 Nothelferfiguren ihren Platz. Der an den Seitenwänden angebrachte Kreuzweg von F. Lüttgen wurde 1932-1936 geschaffen. Die Innenwände sind gegliedert durch Blendarkaden, die zusätzlich zu den Säulen das Gewölbe tragen. Da die Seitenschiffe als Chorumgang weiterlaufen, gewinnt das Innere der Kirche eine gewisse Eleganz.

 

Die Zivilverwaltung der Gemeinde Güls lag in der erstcn Hällte des 19. Jahrhunderts bei der Bürgermeisterei Winningen. Die Kirchengemeinde Winningen dagegen gehörte von 1803 bis 1806 als Filiale zur Pfarrei Güls.

Der Schöffenrat der Bürgermeisterei beschloß am 18. Mai 1832, den bereits vorhandenen Fonds von 2500 Talern zum höchstnötigen Neubau der Kirche nach und nach zu vermehren, da die alte Kirche viel zu klein und zu unbequem sei. Nachdem durch eine Stiftung des in Güls geborenen Küsters der Kirche St. Emmeran (Mainz), Wilhelm Hommer, der Baufonds um mehr als 5500 Taler aufgestockt worden war, beantragte der Schöffenrat bei der Bezirksregierung die Bildung einer Baukommission, der unter dem Vorsitz des Regierungs- und Provinzialschulrates Brückemann (Koblenz) u. a. der Bürgermeister Weckbecker (Güls) und Lassaulx angehören sollen, zu genehmigen. Wilhelm Hommer nahm auch in der Folgezeit regen Anteil an dem Neubau. So genehmigte die Regierurng am 13. März 1833 die Versteigerung seines Geschenks von 17 Stückfaß Wein zugunsten der Kirche.
Da man zunächst erwogen hatte, die alte Kirche abzubrechen und die neue unter Ankauf eines angrenzenden Grundstücks an der gleichen Stelle zu errichten, bemerkte Lassaulx am 26. September 1832 in einem Gutachten, daß dann die Enge des Bauplatzes es nötig mache, der neuen Kirche eine verkehrte Stellung, d. h. mit dem Chor nach Mittag zu geben, was gegen die alte christliche Sitte trachtet und schon außerdem laut Verfügung eines Ministerium des Cultus vom 1. Oktober 1822 auf allerhöchsten Befehl Seiner Mayestät verboten worden war.

Neben anderen Gründen verlöre die Gemeinde ein Gebäude von nicht unbedeutendem Kunstwerth, außerdem würde eine Verlagerung der Gebeine des alten Kirchhofs nöthig, was durch Cabinetsordre vom 8 ten Februar 1829 auf das Strengste verboten ist.
Auf Anweisung der Bezirksregierung vom 5. Oktober 1832 wurde entschieden, daß für den Neubau eine andere Slelle gesucht werden sollte. lm Frühjahr 1832 hatte Lassaulx einen ersten Plan und Kostenanschlag für eine Kirche mit flacher Holzdecke entworfen, nach dessen Revision auf 11.786 Taler 25 Sg, 4 Pfg. Am 10. Dezember 1832 fertigte Lassaulx einen neuen Entwurf mit gewölbter Decke, eingestellten Säulen und vergrößerter Grundfläche, der am 16. Dezember 1832 auf 14.856 Taler 13 Sg. 3 Pfg. festgestellt wurde. Die Bruchsteine stammten vom alten Löhrtor in Koblenz, das wegen der Verlegung des Hauptverkehrsweges durch die preußische Verwaltung seine Existenzberechtigung verloren hatte und 1833 von der Gemeinde Güls auf Abbruch gekauft wurde.

Den Grundstein legte der Bischof Josef von Hommer am 27. April 1833.

Die Konsekration (Weihe) der Kirche findet am 31. August 1840 statt.
Der Weihbischof Wilhelm Günther nimmt sie vor.

Die Größe der Kirche (Innenraum): Länge: 42 mtr., Breite: 16,30 mtr.

Die Scheitelhöhe des Gewölbes: 12 mtr.

Die Höhe der Türme: 65 mtr.

(Willi Münch, Die neue Gülser Pfarrkirche »St. Servatius« - Eine Dokumentation;
aus der Reihe „Heimatschriften“ der Gülser Heimatförderer. Erschienen im Mai 1980)

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